Gerda Taro

Zeiten:
21.6–3.7.2016
täglich 0–24:00

Fahrradtour zu den In-Situ-Ausstellungen:
25.6. 15:00
26.6. 15:00
2.7. 15:00
3.7. 15:00

f/stop In-Situ-Parcours mit Vorträgen zu Capa, Miller, Bourke-White und Taro:
1.7. 16-19:00

Ort:
Straße des 18. Oktober 3-13, 04103 Leipzig

f/stop In Situ

Gerda Taro, eigentlich Gerta Pohorylle, war 1929 mit ihrer Familie von Stuttgart nach Leipzig gezogen. Bei einer Flugblattaktion gegen die Nazis geriet sie im Frühjahr 1933 in Schutzhaft, wurde aber auf Drängen der Eltern nach knapp zwei Wochen entlassen. Sie flüchtete nach Paris ins Exil, wo sie im September 1934 den jungen ungarischen Fotografen André Friedmann kennenlernte. Zwei jüdische Emigranten, die sich in der französischen Hauptstadt durchzuschlagen versuchten: Sie wurden ein Liebespaar und ein Fotoreporter-Team. Um in den Zeitungsredaktionen Beachtung zu finden, dachten sie sich gemeinsam die Geschichte vom berühmten amerikanischen Fotografen Robert Capa aus. Fortan ließen sich die Bilder besser verkaufen. Auch Gerta Pohorylle gab sich einen neuen Namen: Gerda Taro. Als beide im August 1936 nach Spanien gingen, um die Gräuel des Bürgerkriegs zu dokumentieren, wurden sie schnell international bekannt. Sie schufen dort zusammen das, was heute moderne Kriegsfotografie genannt wird.

Gerda Taro war die erste Frau, die direkt im Gefecht fotografierte. Sie verstand ihre Fotografien vom Krieg als politische Anklage und hielt das Leid der Zivilbevölkerung fest. Taro hinterließ einige der am häufigsten veröffentlichten Fotos des Spanischen Bürgerkriegs. Das mediale Bild des modernen Flüchtlings wurde durch ihre Aufnahmen maßgeblich mitgeprägt.
Am 26. Juli 1937 verlor sie ihr Leben durch einen tragischen Unfall: Um aus einem Gefechtsgebiet bei Villanueva de la Cañada, in der Nähe von Madrid, zu flüchten, war sie auf das Trittbrett eines LKWs gesprungen. Ein Panzer streifte den Wagen, riss sie herunter und überrollte sie. Ihr Tod wurde von der Kommunistischen Partei Frankreichs vereinnahmt, Taro wurde zur Märtyrerin stilisiert. Man beerdigte die 26-Jährige auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise. 10.000 Menschen folgten ihrem Sarg.

Im April 1970 wurde auf Betreiben der jüdischen Kommunistin Dina Gelbke die Tarostraße in Leipzig eingeweiht. Sie kannte Gerda Taro aus ihrer Zeit in Leipzig. Der Widerstandskämpferin war es ein persönliches und politisches Anliegen, dass der Name der Kriegsreporterin nicht in Vergessenheit geriet. Gerda Taros fotografisches Werk wurde bisher in Leipzig noch nicht ausgestellt. Sie ist heute in New York, Paris oder Madrid bekannter als in der Stadt, von der aus sie ins Exil aufbrach.

Gerda Taro, Guernica! Almeria! Et demain?, Regards, Nr. 178, 10.6.1937
Gerda Taro, Guernica! Almeria! Et demain?, Regards, Nr. 178, 10.6.1937
Gerda Taro, Die Volksillustrierte, Nr. 26, 30.6.1937
Gerda Taro, Die Volksillustrierte, Nr. 26, 30.6.1937
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