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f/stop Satellit D21

Andrzej Steinbach, aus der Arbeit Even and Then Some, 2010
Andrzej Steinbach, aus der Arbeit Even and Then Some, 2010

Fotofolgen: Das gute Alte & die Fotografie
Die gesamte Nation befände sich in einem „delirium of nostalgia“ schimpfte kürzlich der New Yorker Kunsthistoriker Simon Schama anlässlich des Erfolgs der amerikanischen Kostümserie „Downtown Abbey“ in der Newsweek. Modische Renaissancen und Retrowellen sind keine Erfindung unserer Zeit, aber nie prägten sie so bestimmend den Zeitgeist wie heute. Was fasziniert uns so an der Vergangenheit? Warum bezahlt Facebook eine Milliarde US-Dollar für die Foto-Plattform instagr.am, deren bedeutendste Innovation der Vergilbungseffekt von Smartphone-Bildern ist? Ist es das Melancholische des Retro, wie Niklas Maak vermutet? In Retro überlebe ästhetisch, was politisch aufgegeben wurde: „Die Euphorie eines Aufbruchs, der Glaube an die Möglichkeit eines Wandels, an Zukunft.“ Unsere desorientierte Gegenwart, so die Diagnose, zieht sich ihre Dosis Zukunftsglauben aus der Vergangenheit. Es gibt gute Gründe, sich dieser Rückwärtsbewegung aus einer anderen Perspektive anzunähern, aus einer künstlerischen.

Die Fotografie hat dabei einen ästhetischen Doppelcharakter, der sie für die künstlerische Bearbeitung des Vergangenen geradezu prädestiniert. Zum einen altern Fotografien anders, als beispielsweise Malereien. Die technische Indiskretion der analogen Fotografie, ihr unbestechlicher„Realitätseffekt“ sprengt die freischwebende Erinnerung: „Genau so war es!“, scheinen die Bilder zu sagen und beladen sich mit der Aura historischer Tatsächlichkeit. Aufgrund dieses unwiderstehlichen „Realitätseffektes“ würden wir, stellte man uns vor die Alternative, zur Annäherung an eine historischen Figur – sagen wir die Goethes – die Fotografie stets dem gemalten Abbild vorziehen.

Wegen ihrer optischen Schlag- und Beweiskraft ist die Fotografie favorisiertes Medium dokumentarischer wie künstlerischer Bewahrung visuellen Wissens. Ob es die 80 Millionen Bilder der größten Bildagentur Corbis sind, die deren Eigentümer Bill Gates zu ihrem Schutz in einem alten Bergwerk in Pennsylvania verstauen ließ, oder die akribischen Fotografien von Bernd & Hilla Becher, die mit ihren sachlichen Bildern von ausrangierten Wassertürmen und Hochöfen die Dokumentarfotografie in der Kunstwelt etablierten.

Die Ausstellung „Das gute Alte & die Fotografie“ stellt aktuelle Ästhetiken fotografischer Vergangenheitsbewältigung zur Diskussion. Sie zeigt Künstler, die sich mit heutigen fotografischen Mitteln einem alten oder gealterten Gegenstand zuwenden: einem aussterbenden Handwerk, einem alternden obskuren Bauwerk oder der Tragik des Vergehens im Allgemeinen. Und sie zeigt aufregende Fundstücke aus Fotoarchiven – Bilder, die uns in fremde Jahrzehnte katapultieren und deren Ehrfurcht erregende Schärfe dem Alter trotzt. Zuletzt setzten zeitgenössische Dokumentarfotografien die Frage auf die Agenda, welche Bilder einmal von unserer Gegenwart Zeugnis ablegen werden.

Künstler: Absalom & Bardsley, Sabine Dusend, Alexander Rischer, Andrzej Steinbach, Friedrich Tietjen, Dagmar van Wersch, Matthias Wollgast, Steffen Zillig

Kuratoren: Steffen Zillig, Daniel Niggemann

www.fotofolgen.de

D21 Kunstraum Leipzig
Demmeringstraße 21
04177 Leipzig
www.d21-leipzig.de

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Aktuell

Camera Austria International

Mal wieder sehr lesenswert ist die aktuelle Ausgabe der Camera Austria. Auch gut für die Mittagspause im Büro. Und mit einer wunderbaren f/stop-Anzeige auf dem back cover!


Kann jemand stricken?

Wer von Euch ein Faible für den fachgerechten Umgang mit Wolle und Nadeln hat, sollte sich das hier mal anschauen! London ist ja bekanntlich auch immer eine Reise wert und wann kann man schon im Namen des politischen Protests stricken? Ist zwar nur im Museum, dafür aber „major“.


Die schönsten deutschen Bücher

Falls jemand gerade in Frankfurt auf der Buchmesse unterwegs ist und unseren Katalog noch nicht kennt, kann man sich den dort anschauen. Ist nämlich auf der longlist für die „Schönsten deutschen Bücher“ und am Stand der Stiftung Buchkunst ausgestellt. Kaufen kann man ihn übrigens auch noch!


toi, toi, toi

Andreas Enrico Grunert, beim letzten f/stop mit einer Ausstellung im Mzin dabei, verteidigt gleich bei den Kollegen im KING SIZE seine Meisterschülerarbeit "Bois des Pins". Alle, denen Prüfungssituationen zu aufregend sind, können heute Abend um 19 Uhr zur Ausstellungseröffnung in die Grünewaldstr. 19 gehen und sicherlich auch mit einem Gläschen anstoßen. Wir wünschen jedenfalls viel Spaß und maximalen Erfolg!