Wettbewerb

    f/stop Billboard


    An dicht befahrenen Verkehrsknotenpunkten

    An einem Kreisverkehr stehen zehn Männer. Zwei haben einen Spanngurt dabei, davon abgesehen besitzen sie nichts außer ihrer Muskelkraft. Es handelt sich um Tagelöhner aus Syrien, von denen seit Kriegsausbruch 2011 immer mehr ihr Glück im nahe gelegenen Libanon suchen. Die Verkehrsinsel ist so leer wie die Taschen der Arbeiter. Es ist eine minimalistische Bühne aus Sand, Beton und verdorrtem Gras, auf der die Männer ihre Zeit totschlagen und wo sich Arbeits-, Warte- und Freizeit vermischen. Optimistisch betrachtet, erfüllen sie die Forderungen der westlichen Wirtschaft nach Flexibilität, Fleiß und unermüdlicher Einsatzbereitschaft. Letztlich bewegen sie sich hier an der Grenze zur Illegalität.

    Den Künstler Sebastian Komnick beschäftigt die Frage, wie eine solche Situation über die Fotografie in den realen Raum zurückgeführt und auf diese Weise anders zur Diskussion gestellt werden kann als etwa in der Tagespresse. In diesem Fall helfen Perspektive und Bildgröße: Die Arbeiter sind von hinten zu sehen und werden so wie Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer zu Identifikationsfiguren. Doch das Bild transportiert nicht die Ideale der Romantik. Vielmehr verstellt die harte Realität eines Beiruter Vororts den hoffnungsgebenden Weitblick. Mit dem Aufziehen der Fotografie auf die Ausmaße der Plakatwand der Leipziger Baumwollspinnerei erscheinen die Männer in Lebensgröße und wir, die wir hinter ihnen stehen, erweitern ihren Kreis – als Arbeiter, Voyeure oder teilnahmslose Passanten?

    Seit 2006 wird während des f/stop Festivals die Plakatwand vor der Halle 4 in Kooperation mit Markus Dreßen bespielt. Über einen Wettbewerb, bei dem Studierende der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ein künstlerisches Projekt mit Bezug zum Festivalthema vorschlagen können, wird dafür eine Arbeit ausgewählt. (Christin Müller)

    Künstler: Sebastian Komnick

    Ort: Plakatwand, Halle 4

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    f/stop goes Nürnberg

    Die Ausstellungen „Get lucky!“ und „Personal Issues – Magazinfotografie als Statement“ werden vom 20.9. bis 5.10.2014 im Rahmen von „Offen auf AEG“ in Nürnberg zu sehen sein. Geöffnet ist immer Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Wer f/stop in Leipzig verpasst hat, kann einen Besuch hier nachholen. Außerdem präsentiert Jürgen Teller die Ausstellung „WE’VE GOT THE LOOK“ in der Akademie Galerie. Ein Grund mehr nach Nürnberg zu kommen! Eröffnet wird am 20.9.2014 12 Uhr!

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