Wettbewerb
    Beni Bischof, Sausage Power, 2011, © Beni Bischof

    Get lucky!


    CHAMPAGNER STATT EXISTENZÄNGSTE! - Auf diese Formel könnte man ein Graffito des Schweizer Künstlers Beni Bischof bringen, das er im Januar 2013 an die Wand einer Düsseldorfer Galerie gesprayt hat. Bischofs Installation ist weniger Kommentar auf den Kunstbetrieb als vielmehr radikale Pointierung eines gesellschaftlichen Paradigmas, einer Art 'Tyrannei des Glücks' (Byung Chul Han). Als populäre Zeitgeistmaxime erweist sich die Verheißung vom Glück mehr und mehr geeignet, den Motor der Leistungsgesellschaft auf Tempo zu halten. So gilt Arbeit in der westlichen Welt schon längst nicht mehr als reines Mittel zum Zweck des Broterwerbs, sondern ist vielmehr identitätsstiftendes Tun aus Leidenschaft. Kreativität, Flexibilität, Fleiß und Einsatzbereitschaft sind die branchenunabhängigen Schlagworte einer auf Erfolg ausgerichteten Selbstoptimierung, welche die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend aufzulösen scheint. Globalisierung ist schließlich die Parole, die als Alibi offeriert wird, beginnt man die obskuren Blüten des vermeintlich unendlichen Wachstums zu hinterfragen. Dabei erfahren selbst Besorgnis erregende Phänomene wie die Entstehung eines Prekariats oder die drastische Konjunktur des Burnout-Syndroms eine positive Umdeutung. Selbstausbeutung unter prekären Verhältnissen wird zum legitimen Merkmal eines Avantgarde-Lifestyles und wer sich mit Burnout zwischenzeitlich abmeldet, ist weniger Opfer widriger Verhältnisse, als dass er sich vorab durch absolute Leistungsbereitschaft ausgezeichnet hat. Erschöpfung? Ehrensache!

    Die Fotografie hat sich als nützliche Dienerin erwiesen, die Botschaft vom Glück durch Leistung zuverlässig an Mann und Frau zu bringen. Das Bild als Sehnsuchtsbild ist schließlich eine Konstante in der historischen Entwicklung des Mediums. Vor allem Werbe- und Magazinfotografie wissen die verheißungsvollen Träume und proklamierten Lebensstile ausgezeichnet zu bezeugen. Permanenter technischer Fortschritt und Optimierung der Produktionsbedingungen tun dabei ihr Übriges, dass das perfekte Ich seinen angemessenen Ausdruck im perfekten Bild erhält. Fotografie ist aber auch mehr denn je ein Alltagsmedium. Ein verlässliches Mittel, das eigene Erleben zu dokumentieren, Individualität auszudrücken und das der Welt prompt kund zu tun. Ende 2014 werden auf sozialen Plattformen wie facebook und instagram schätzungsweise 700 Millionen Bilder hochgeladen, täglich! Fundament jener bunten Weltkonstruktion ist ein wohl bekanntes Arsenal von Inszenierungen und Posen, das der endlosen Flut medialer Bilder entlehnt ist und als eine Art scripted reality ins eigene Dasein Einzug hält. Bilder konstruieren Identität. Und Identität erzeugt Bilder.

    Zum Festival erscheint ein Katalog im Lubok Verlag, gestaltet von IG-Grafik.

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    Letzter Festivaltag!

    Zum Programmabschluss ab 15 Uhr im f/stop Festivalzentrum: Buchpräsentation Catalogue Raisonné (Clichés) mit Inga Kerber, Jan Wenzel und Daniel Rother sowie Global Forwarding. Kommt vorbei!

    A1A artprint- Präsentation auf dem f/stop

    Am 15.6. um 14 Uhr stellen Michael Biedowicz und Konstanze Schäfer den A1A artprint als Alternative zum Diasec vor. weiterlesen...

    PING·PONG - Fotografie im Leipziger Westen

    Parallel zum f/stop Festival öffnet der Kunstraum PING·PONG zum ersten mal seine Türen. Vom 8.6. – 20.6. sind in der Eröffnungsausstellung Fotografien von Sandra Schubert und Marcel Noack zu sehen. In ihren Bilderserien zeigen die beiden Leipziger Künstler menschenleere Orte, die Symbole sind für das Scheitern einer Gesellschaft und das Warten auf das Glück. weiterlesen...

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