f/stop Film 28.6.

Zeiten:
28.6. 20:00

Ort:
Luru Kino

Kurator:
Max Linz, Regisseur und Autor, Berlin

 

 

f/stop Film

Geschichtsschreibung, subjektiv-objektiv: Film, Sprache, Schrift
Kurzfilmprogramm moderiert von Max Linz

Im Dickicht der Geschichte oszilliert Film zwischen automatischem Aufschreibesystem und subjektiver caméra-stylo. Ein thematisches Programm umfasst kurze Filmarbeiten vom Ende der Stummfilmzeit bis zum spekulativen Verschwinden des Zelluloids und geht der Frage nach, wie Filmemacher_innen mit der Kamera Zeugnis von ihrer Gegenwart geben, diese beschreiben oder in sie einzugreifen suchen. Dabei wird deutlich, wie sehr der Charakter dieser Kommunikation, die Haltung der Autoren zur Welt und zum Publikum, durch ein je spezifisches Verhältnis von Text und Filmbild mitbestimmt wird, mit ungeschnittenen Mustern oder vermittels nervöser Schnittfolgen, durch Schrift im Bild, per Voice-Over, oder den Stimmen im O-Ton. Alle Filme werden im Originalformat vorgeführt.

Ella Bergmann-Michel: Wahlkampf 1932 (Letzte Wahl) (35mm, D 1932/33)

1932 dokumentiert die Künstlerin Ella Bergmann-Michel den Wahlkampf im Stadtbild von Frankfurt am Main. Während der Dreharbeiten wird sie verhaftet, der Film bleibt Fragment. Zu sehen sind die stummen Muster: Hakenkreuzbeflaggung, Wahlplakate, auf der Straße debattierende Passanten, Alltagsaufnahmen aus den letzten Monaten der Weimarer Republik.

Santiago Alvarez: Now! (35mm, Kuba 1965)
Ein agitatorischer Found-Footage-Film, Fotografien von Bürgerrechts-Demonstrationen und Polizeigewalt in der ersten Hälfte der 1960er Jahre in den USA. Mit seiner „nervösen Montage“ zugleich Proto-Musikvideo für den gleichnamigen Civil Rights-Smash-Hit von Lena Horne.

Walter Heynowski/Gerhard Scheumann: Geldsorgen (35mm, DDR 1975)
Die chilenische Bevölkerung verwendet Geldscheine als unaufhörlich zirkulierende Flugblätter des Widerstands gegen die Putschisten. Heynowski/Scheumann interviewen den Finanzmarschall der chilenischen Militärjunta. In der Absicht, das Ansehen seiner Regierung in der Welt aufzupolieren, hat er es sich vor ihrer Kamera gemütlich gemacht.

Alexander Kluge: Auf der Suche nach einer praktisch-realistischen Haltung (35mm, BRD 1983)
„Kurzspielfilm aus der Zeit der Raketenkrise“: Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs macht Fred Tacke den kleinen Pilotenschein. Er hat Pläne. Im Fall eines nuklearen Weltkrieges will er sich in einer Blockhütte in Spitzbergen in Sicherheit bringen. Geostrategische Erwägungen in einer imaginären Kanalisation von Ängsten und Hoffnungen.

Shumona Giel / Shai Heredia: I am micro (35mm, Indien 2011)
Als feinstoffliche Erinnerungspartikel geistern Stimmen der Vergangenheit durch ein aufgegebenes Optikwerk. Ein mystischer Industriefilm über Deindustrialisierung, eine spekulative Miniatur über das Kino nach dem Verschwinden seines zentralen Trägermaterials Zelluloid-Film.

Miniature N°3, R: René Frölke (HD, D 2014)

Gebildet aus Material von den Dreharbeiten zum Dokumentarfilm "Le Beau Danger" mit dem Schriftsteller Norman Manea. Eine kinematographische Re-Konstellierung von Geschichte und Gegenwart, über "den inneren Konflikt unserer Zeit" als Gegeneinander von Information und Erfahrung.

Romuald Karmakar: Das Lesen der Namen (HD, BRD 2014)
Während Jom haScho’a, dem Gedenktag für die Opfer der Shoa und für den jüdischen Widerstandskampf, werden am 28.4.2014 vor dem Haus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in alphabetischer Reihenfolge die Namen der 56.000 ermordeten jüdischen Einwohner_innen Berlins verlesen. Romuald Karmakars Ansicht hält einen Augenblick des Vorgangs fest.

Dank an:
Madeleine Bernstorff, Sünke Michel, arsenal distribution / Gesa Knolle + Carsten Zimmer, 
Int. Kurzfilmtage Oberhausen / Carsten Spicher,  Deutsche Kinemathek / Diana Kluge, René Frölke, Romuald Karmakar

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