George Strock

Autorin:
Christine Pauls

George Strock

Three dead Americans on the beach at Buna
Schwarzweißfotografie, 31. Dezember 1942
abgebildet in: LIFE-Magazine, Bd. 15, Nr. 12, 20. September 1943, S. 35.

Drei tote Soldaten. Ihre Körper vom Sand bedeckt, inmitten einer paradiesischen Landschaft mit  Palmen, wie wir sie von Urlaubsfotos her kennen. Doch der Strand, sonst ein Ort der Natur und  Erholung, ist hier zum Schauplatz von Krieg und Tod geworden. Mit dieser Tatsache wurden die  amerikanischen Leser am 20. September 1943 konfrontiert, als das LIFE-Magazine mit einem  Tabu der Zensur brach und erstmals Fotografien von gefallenen US-Soldaten abbildete.
Der renommierte LIFE-Fotograf George Strock war 1942 nach Neuguinea geschickt worden, um  den Pazifikkrieg zwischen Japan und den USA zu dokumentieren. Zurück kam er mit Fotografien,  die die amerikanischen Truppen mal lächelnd für die Kamera posierend, mal in Gruppenportraits  inszeniert und mal triumphierend vor Leichen toter japanischer Soldaten zeigen. Während seine Fotoserien in der Regel bereits einen Monat nach den Kämpfen in der amerikanischen Presse  publiziert wurden, dauerte es bei seinem ikonischen Foto von Buna Beach neun Monate. Das  Office of Censorship autorisierte bis zu diesem Zeitpunkt nur die Veröffentlichung von gefallenen amerikanischen Soldaten, wenn diese mit Tüchern bedeckt waren beziehungsweise sich ihre  Leichen in einem mit der amerikanischen Flagge geschmückten Sarg befanden. Das LIFE-Magazine setzte sich jedoch erfolgreich für die Lockerung dieser Reglementierung ein, so dass  Strocks Foto schließlich veröffentlicht wurde und den Amerikanern ein ungeschöntes, bisher  unbekanntes authentisches Bild vom Krieg vermittelte. Strocks Foto wurde nicht nur wegen  seines Motivs, sondern auch wegen seiner klassischen und ausgewogenen Komposition  ausgewählt. Seine Dynamik führt den Blick des Betrachters über die Leichen im Vordergrund hin  zu dem Schiffswrack. Durch die Palmen im Hintergrund, die die Szene gleichsam rahmen, rückt  die schreckliche Szene noch näher an uns heran.
D
ie Vereinigten Staaten von Amerika waren angegriffen worden. „Where these boys fell, a part of  freedom fell: We must ressurect it in their name“, lautet die Überschrift des Artikels, mit dem  Strocks Foto auf einer Doppelseite im LIFE-Magazine gezeigt wurde. In diesem Sinne sollte der Artikel an die Empathie der Amerikaner appellieren und den Patriotismus stärken. “Why print this  picture, anyway, of three American boys dead upon an alien shore?”, ist eine der Fragen, die  gleich am Anfang gestellt wird, um die Veröffentlichung des Fotos zu legitimieren. Die Antwort,  die das LIFE-Magazine selbst gibt, begründet sich im emotionalen Wirkungspotential von Bildern: „The reason is that words are never enough. The eyes see. The mind knows. The heart feels“.  Zugleich kommt in dem Artikel eine empathische und bildliche Sprache zum Tragen, wird  detailliert auf das Sterben der Soldaten durch den japanischen Feind – genau an der Stelle, wo Strock sein Foto aufgenommen habe – beschrieben. Danach folgt eine stereotype Idealisierung  der USA, in der unter anderem auf das Nationalgericht Apple Pie eingegangen wird und die toten  Soldaten von Buna Beach mit Footballspielern verglichen werden.
T
hree dead Americans. Ein Foto, das den Bildjournalismus veränderte und zu einer ikonischen Kriegsfotografie wurde. Die patriotische Propaganda sowie eine verherrlichende Darstellung  des Kriegsverlaufes waren im Zweiten Weltkrieg fester Bestandteil der amerikanischen  Kriegsberichterstattung. „And yet here on the beach is America“.

Für Neuigkeiten aus dem f/stop Büro melde dich bei unserem Newsletter an.