Magnus Wennman

Autor:
Philipp Böhme

Magnus Wennman

Where the children sleep
22 Farbfotos
(am 26. September 2015 erstmals auf der Website der schwedischen Zeitung Aftonbladet  veröffentlicht; URL: http://darbarnensover.aftonbladet.se/chapter/english-version/)

Zwischen leeren Plastikflaschen und nur von einer dünnen Decke bedeckt, schläft die fünfjährige Lamar mitten im Wald. Irgendwo an der serbisch-ungarischen Grenze liegt sie allein im Gras. Während ihr friedliches Gesicht genau zu erkennen ist, bleibt um sie herum alles eigentümlich unscharf, die Farben kühl und blass. Diese traumhafte Atmosphäre hat der schwedische Fotograf Magnus Wennman in seiner gleichermaßen faszinierenden wie verstörenden Aufnahme unter anderem durch eine offene Blende erzeugt. Er hat sie gemacht, nachdem einen Tag zuvor die  ungarische Regierung einen vier Meter hohen Zaun an seiner Grenze zu Serbien errichtet und so  die Balkanroute für Lamar und die Flüchtlinge aus den aktuellen Krisengebieten unpassierbar gemacht hat.

Das Foto ist das erste der 22 Bilder umfassenden Serie Where the children sleep, in der  Wennman Kinder an den Schlafplätzen ihrer Flucht fotografiert hat. Er zeigt den 17jährigen Syrer  Abdul Karim auf einer Parkbank in Athen, die achtjährige traumatisierte Maram in einem Krankenhausbett in Amman, die von Alptraumen verfolgte Walla auf einer roten Matratze. Für  diese Aufnahmen reiste der Fotograf im Auftrag der schwedischen Boulevardzeitung Aftonbladet  durch sieben verschiedene Länder, um sie am 26. September 2015 auf der Website der Zeitung  zu veröffentlichen. Drei Autoren des Aftonbladet haben jedes Bild mit einem kurzen Text kommentiert, der die vermeintlichen Fluchtgeschichten der Kinder erzählt. So erfahren wir über  die Geschichte Lamars: 

„Back home in Baghdad, the dolls, the toy train, and the ball are left; Lamar  often talks about these items when home is mentioned. The bomb changed  everything. The family was on its way to buy food when it was dropped close to  their house. It was not possible to live there anymore, says Lamar’s grandmother, Sara. After two attempts to cross the sea from Turkey in a small,  rubber boat, they succeeded in coming here to Hungary’s closed border. Now  Lamar sleeps on a blanket in the forest, scared, frozen, and sad“.

In Zusammenarbeit mit dem Fotografiska Museet in Stockholm haben die Herausgeber im  Rahmen der Veröffentlichung zu Spenden für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen  aufgerufen. Durch das Zusammenspiel von den emotional aufgeladenen Texten und den  empathischen Bildern der schlafenden Kinder soll das Mitgefühl und somit die  Spendenbereitschaft des Lesers beziehungsweise Betrachters angeregt werden: "Send an SMS  with the word FLYKT150 to 729 80 to give 150 kr to UNHCR". Denn für den Fotografen steht fest, "there is nothing hard to understand about how children need a safe place to sleep". Doch  Fotograf und Zeitung werben nicht nur für Spenden, sondern nutzen die gewonnene  Aufmerksamkeit auch für eigene PR-Zwecke. Auf einer Website des Aftonbladet (URL: darbarnensover.aftonbladet.se/chapter/english-version/ )findet man neben Wennmans  Aufnahmen Links zum Fotografiska Museet als Kooperationspartner, zur Homepage des  Aftonbladet sowie zu Wennmans Instagram-Account. Seine 28.000 Abonnenten nutzt der  Fotograf, um auf dieses und andere Projekte von sich aufmerksam zu machen. Nach der  Veröffentlichung im Aftonbladet und einer Ausstellung von Where the children sleep im  Fotografiska Museet organisierte das UN-Flüchtlingshilfswerk eine Wanderausstellung der Bilder durch die USA; auf diese Weise wurden die Fotos von Wennman durch weitere internationale  Medien aufgegriffen.
Where the children sleep kann bei f/stop 2016 nicht gezeigt werden, da Magnus Wennman die  Serie nur gemeinsam mit den Texten des Aftonbladet frei gibt.

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